Kirchen und Digitalisierung des Geschäfts

Das WSJ hatte rund um Weihnachten eine Geschichte, wie amerikanische Kirchen über personalisierte Online-Werbung Menschen in Krisen suchen, um ihnen zu helfen und sie sich zuzuführen. De facto zeigt das die Digitalisierung des Geschäftsmodells: Gloo heißt die Firma, die den Kirchen entsprechend Kontaktadressen und Telefonnummern zuführt.

Eigentlich läuft es so: Gloo wertet Dateien von Drittparteien aus, schaltet personalisierte Google- oder Social-Werbung, zum Beispiel für christliche Männer, die sich gerade scheiden lassen, führt die auf eine Landing Page, wo diese Männer ihre Daten eingeben können, um regional kontaktiert zu werden und spirituelle Unterstützung zu bekommen. Dann gibt sie die eingegebenen Daten an ihre Kunden in der entsprechenden Region weiter. Man übernimmt also als Zwischenhändler die Kundenakquise. Das dürfte seitens der Kirchen ein gutes Investment sein, denn aktive Kirchenmitglieder spenden über die Jahre in der Regel sehr, sehr ordentlich.

Dazu passend hat der Economist eine längere Geschichte über die Krise der Religionen, die durch Corona noch verschärft wird. Beziehungsweise: Die Verlierer werden noch mehr verlieren, im Bereich christlicher Kirchen zum Beispiel stärker fusionieren müssen. Auch das passt gut zu obigen Versuchen, zielgenau digital Mitglieder zu werben.

Was beide Artikel gemein haben: Ein Blick auf organisierte Religion aus dem Blickwinkel des Geschäfts – und eine Beschreibung der Digitalisierung des bisherigen Geschäftsmodells.

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