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Das Kontext-Paradox

Tyler Cohen schreibt davon, dass Kontext knapp(er) wird. Siehe Twitter-Diskussionen, siehe die Auflösung der Bedeutung einzelner Songs auf Alben im Streaming-Zeitalter, siehe unsere blitzlichtartige Informationsaufnahme.

Das ist ein Paradox: Eigentlich macht die Digitalisierung sehr viel mehr Kontext verfügbar, als bisher möglich war. Seien es Informationen über Dinge, Ereignisse, geschichtliche Bezüge, seien es Metadaten, seien es Augenzeugen- und Betroffenen-Berichte. Und dennoch fehlt etwas, um diesen Kontext zu erfassen – nämlich Zeit.

Eigentlich müsste Kontext angesichts seiner Knappheit besonders wertvoll sein. Das gilt aber nur bedingt: Für das persönliche Verstehen, sicher. Im Bereiche der Memisierung von Information ebenfalls, aber eher im eindimensionalen Sinne von „Verstehen einer Anspielung“. Doch darüber hinaus ist Kontext völlig unbedeutend, um beim Tribalismus des 21. Jahrhunderts dabei zu sein, ist er sogar schädlich. Wir scheinen uns, so mein Eindruck, ein vernetztes Informationssystem der Atomisierung, also des absichtlich begrenzten Kontext-Bewusstseins zu bauen. Was auch in gewisser Weise unserer arbeitsteiligen Wirtschaft, der Spezialisierung von Ausbildung und der Individualisierung von Lebenswelt entspricht.

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