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Musks Twitter

Bloomberg-Kolumnist Matt Levine formulierte es schon vor Elon Musks Twitter-Übernahmeangebot so:

„‚Der reichste Mensch der Welt kauft die wichtigsten Ort für öffentliche Kommunikation‘ hört sich eigentlich wie etwas an, dass regulatorische Bedenken auslösten müsste. Aber in unserem existierenden System bin ich mir nicht sicher, was diese Bedenken sein könnten.“

Das Zeitalter der Oligarchen und Oligopole eben (wie ironisch, dass Ellen Pao ausgerechnet in Jeff Bezos‘ Washington Post fordert, man müsse doch jetzt bitte ein Gesetz mache, das reiche Menschen davon abhält, unsere Kommunikationskanäle zu kontrollieren).

Auf praktischer Ebene ist der Twitter-Verwaltungsrat in einer schlechten Position: Das einzig valide Argument gegen eine Übernahme ist, dass der Aktienkurs im vergangenen Jahr noch über den 54,20 US-Dollar lag, die Musk jetzt bietet. Ob Musk im Falle einer Ablehnung klagt oder einfach seine Aktien abstößt und der Kurs nach unten rauscht – beides keine gute Option.

Und letztlich kann der Verwaltungsrat die Ablehnung auch nicht damit begründen, dass man ein gut laufendes Unternehmen auf dem richtigen Kurs ist. Twitter hatte einige Jahre Zeit, an Produktschwäche und Geschäftsmodell zu arbeiten, stattdessen versuchte man, Instagram-Funktionen zu kopieren. Dass ich Ex-CEO @Jack im Bereich Social-Media-Produktentwicklung für einen Clowncar-Fahrer halte und kein Mitleid habe, naja, meine Haltung ist ja hier bekannt.

Ob Musk – sofern er denn das Geld für den Kauf auftreibt – Twitter in seiner jetzigen Form zerstören würde? Die Jubelarien der amerikanischen Trumpisten lassen darauf schließen, dass es dort noch hässlicher werden würde. Aber wenn wir ehrlich sind, kaschiert Twitters Relevanz für den politisch-medialen Diskurs nur den Absterbeprozess, in dem sich der Dienst seit einigen Jahren befindet. Ein Niedergang, der genau wegen dieser Relevanz für die Erzeugung von Nachrichten wahrscheinlich erst nach 2030 vollständig abgeschlossen sein wird*. Die Frage ist, mit oder ohne Musk, was bis dahin noch alles in Flammen aufgehen wird.

*vorausgesetzt, man krempelt das Produkt nicht vollständig um, z.B. indem man es weitestgehend auf ein Abo-Modell und kleinere Communitys umstellt.

4 Gedanken zu „Musks Twitter“

  1. Pingback: Absterbeprozess – anmut und demut

  2. „Abo-Modell und kleinere Communitys“: also noch mehr Filterblase für privilegierte (Kommunikations-)Menschen in ihren Echokammern? Hm …

  3. Pingback: … of foreign chains around us – anmut und demut

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