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2022 in Songs

Jedes Jahr sammle ich die neuen Songs, die mir begegnen. Manches ist überall zu hören, anderes ungewöhnlich, über einige Entdeckungen freue ich mich unbändig.

Mein Verhältnis zur Musik hat sich in den letzten 25 Jahren immer wieder geändert. Bis ungefähr 2004 war jeder Tag, an dem ich nicht selbst Musik machte und Songs schrieb, ein verlorener Tag. CDs bestellte ich in dieser Zeit bei Flight 13, die bekannteren Sachen kamen zunächst von den Tauschbörsen, dann von den Bezahldownload-Plattformen. Das war der Moment, in dem ich anfing, weniger Alben, als einzelne Songs wahrzunehmen.

Dann, als ich obsessiv in den Journalismus einstieg, trat die Musik zurück. Ich kann mich sogar bis ungefähr 2010 nur bruchstückhaft erinnern, überhaupt neue Musik wahrgenommen zu haben, obwohl ich einen ganzen Katalog von Musikblogs im Feedreader hatte. Was früher ein guter Song war, war nun ein guter Text.

Mit Song des Tages (RIP!) habe ich damals Musik und das Entdecken wiederentdeckt. Und ich war ziemlich stolz, wenn der Hörer-Zähler meiner kleinen Radiosendung bei Laut.fm auf 3,4 oder 5 sprang. Und mit dem Entdecken habe ich seitdem eigentlich nicht mehr aufgehört. Wobei natürlich einige Fußnoten sein müssen: Ich nehme die Song war, aber weniger die Künstler, von denen sie stammen. Und Alben, tja, eigentlich traurig, was mit dem Format passiert ist. Denn obwohl eine CD mit drei guten und neun mittelmäßigen Songs für 15+ Euro natürlich eine Abzocke war: Ich habe die Idee des Albums als Gesamtwerk immer gemocht. Und dadurch, dass ich kaum noch Alben höre, sinkt auch irgendwie das Interesse an Konzerten.

Aber natürlich ist Musik ein Anker in die Vergangenheit, das bringt wohl das Alter 40+ so mit sich. Nirvana und das ganze fantastische und auch weniger fantastische Indie- und Punkrock-Zeug. Der Autoradio im Opel Corsa A, wo sich die Kassetten nur mit Hilfe einer Pinzette wechseln ließen. Das erste Mal die 48/49 von dieser Vorband bei der Monsters-of-Hauptstadt-Tour in den CD-Player legen, die den skurrilen Namen Beatsteaks trug. Das Tape, auf dem ein Freund einfach nur 90 Minuten den Techno-Hit „Der Verfall“ gepackt hatte (lustigster Samstagnacht-Soundtrack für lange Autofahrten). Die Überlegungen, welche Alben man kauft, weil es so viele gäbe. The Fragile von Nine Inch Nails: Nichts anderes als eine Erweckung.  Und 2010 auf meiner Bloggertramp-Reise jeden Tag ungefähr zehnmal Eddie Vedders Soundtrack zu Into The Wild von vorne bis hinten. Die Songs sind mit derart intensiven Erinnerungen verbunden, dass ich das Album viele Jahre lang nicht mehr gehört habe, aus Angst, dass diese Erinnerungen von neuen überschrieben werden könnten.

Und doch gibt, wenn ich diese Künstlernamen lese, das alles nur einen Bruchteil dessen wieder, was Musik für mich inzwischen ist: Keine Band, kein Stil, kein Sound, keine Harmoniefolge, sondern einfach dieser Moment, wenn Du hörst und hinhörst und nochmal hinhörst und dir denkst: Hey, dieser Song, der darf jetzt nicht so schnell vorbeigehen. Und falls doch, sollte ich ihn unbedingt festhalten.

In diesem Sinne mal wieder: Follow, press shuffle and play (if you may).

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