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Ukraine-Krieg

Es schmerzt dann doch, wenn ein derart kundiger Historiker wie Timothy Snyder für einen Social-Media-Own die Fakten verdreht. Doch er reiht sich damit in einen Diskussionsstil ein, der im Angesicht des Kriegs längst völlig entgleist ist. Was vielleicht verständlich, aber wenig hilfreich ist (siehe: Logik der Haltung vs. Logik der Konsequenzen)

Ein Kanzler wie Olaf Scholz, der nur im eng abgesteckten Terrain des Wahlkampfs wie ein „Erklärer“ wirken konnte, hat es in so einer sozial-medialen Feedbackschleife schwer. Und wer nicht zumindest die Konturen einer Strategie klar kommuniziert, das „Denken vom Ende her“ nur phrasenhaft andeutet, der muss sich über Zweifel an den strategischen Fähigkeiten nicht wundern.

Dass man angesichts mancher Panzer-Diskussionen fälschlicherweise glauben könnte, auf den Stellplätzen der ukrainischen Militärstützpunkte stehe bereits allerlei schweres Gerät aus sämtlichen Nato-Ländern außer Deutschland herum, steht auf einem anderen Blatt Papier. Genau wie Experten ja vor einigen Wochen noch darüber diskutiert haben, ob Panzer im Drohnen-Zeitalter überhaupt noch adäquates Kampfgerät darstellen.

Währenddessen signalisieren beide Kriegsparteien, dass sie derzeit keinen Grund für tiefergehende Verhandlungen oder Konzessionen sehen. Je länger der Krieg dauern wird, desto größer wird der Druck auf den Westen, sich stärker zu engagieren oder irgendwann sogar einzugreifen. Aber die Logik, dass die Lieferung schweren Geräts den Krieg zugunsten der Ukraine abkürzen könnte, scheint bislang vor allem ein Traum amerikanischer Denkfabriken. Es geht vielmehr darum, der Ukraine im Abnutzungskrieg die Möglichkeit eines Patts zu eröffnen. Ein längerer Krieg also für einen besseren Waffenstillstand, wobei ein längerer Krieg nicht nur zu mehr Toten führt, sondern eben auch die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation in Richtung Beteiligung von Dritttstaaten erhöht. Keine guten Aussichten.

 

 

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