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Wie lange noch?

In den vergangenen beiden Jahren hatte ich prognostiziert, dass Marine Le Pen französische Präsidentin wird. In den vergangenen Monaten hatte sich abgezeichnet, dass das keine realistische Vorhersage mehr ist.

Dennoch ging, soweit ich das bei Social Media verfolgte, am gestrigen Sonntagnachmittag die Panik los: Gehen genügend Menschen zur Wahl? Genügend Menschen, die Le Pen nicht wählen?

Wie lange soll das noch weitergehen? Darauf hoffen zu müssen, dass sich Menschen immer wieder die Nase zuhalten und ohne große Sympathien das kleinere Übel wählen? Und wer glaubt ernsthaft daran, dass eine etwas versnobter wirkende Version von Tony Blair wirklich Vertrauen in die Politik zurückgewinnen kann?

Auch wenn die Wahlergebnisse es derzeit nicht zeigen: Das antihegemoniale Projekt der Rechtsextremen ist in Frankreich auf Kurs, sofern das Lager nicht implodiert. Die zweite Hälfte der Zwanzigerjahre wird… interessant.

2 Gedanken zu „Wie lange noch?“

  1. „etwas versnobter wirkende Version von Tony Blair“ halte ich für eine ziemliche Fehleinschätzung von Macron. Er scheint mir zum einen ein intellektuell anderes Kaliber als Blair, hat zum anderen in der Europapolitik schon seit 2017 Positionen vertreten, die jetzt plötzlich Mainstream sind (damals aber von Deutschland blockiert wurden), hat, beispielsweise nach Ausbruch der gilets-jaunes-Proteste, ernsthafte Anstrengungen unternommen, mit Kritik umzugehen (ernsthafter, als ich das aus anderen Ländern kenne) und geht relativ offen mit unpopulären Vorhaben wie etwa der Rentenreform um. Und das in einem Land, das selbst bei einem Rentenreformvorhaben, über das andere europäische Länder nur lachen könnten, schon die Reifen anzündet. Vor diesem Hintergrund halte ich Macron in Deutschland für generell unterschätzt.

    Frankreichs grosses Problem, speziell im Blick auf die nächsten 5 Jahre, liegt für mich nicht in der Person von Macron, sondern in der Desintegration einer wählbaren Opposition.

  2. @Paul: Vielen Dank für deinen Kommentar, eine sehr interessante Perspektive! Ich habe die grand débat damals nicht so genau verfolgt, aber mir schien das eher eine Geste gewesen zu sein als konkrete politische Willensbildungsarbeit.

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