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Das kranke Land

Steve Kerr ist Coach der Golden State Warriors, die gerade im NBA-Halbfinale stehen. Kerr war 19 Jahre alt, als 1984 sein Vater Malcom Kerr, der damalige Präsident der American University of Beirut, von zwei Attentätern vor seiner Haustür erschossen wurde. Die Täter wurden nie gefasst.

Steve Kerr scheut sich nicht, über Politik zu reden. So klar er über den Massenmord an 19 Grundschülern in Uvalde, Texas, spricht, hat er schon bei mehreren Gelegenheiten gesprochen. Die Vereinigten Staaten sind krank, und das sage ich als jemand, der diesem Land verbunden ist. Und Steve Kerr zeigt, wie inakzeptabel es ist, sich mit diesen kranken Zuständen abzufinden.

Dass es Waffen an jeder Ecke gibt, ist schlimm. Dass 80 Prozent der US-Amerikaner das „Recht auf Waffenbesitz“ so verinnerlicht haben, dass sie Beschränkungen für den Privatgebraucht ablehnen, ist aus zivilisatorischer Sicht bizarr. Dass fast alle konservativen US-Politiker jegliche Verschärfung der Waffengesetze, und sei sie noch so klein, ablehnen, ist kaputt. Dass es inzwischen einfach nur noch als sinnlos gilt, hier auf irgendeine Veränderung zu warten, ist pervers.

Und dass es für Grundschüler normal ist, Abläufe bei Shooter-Situationen zu üben; dass Psychopathen kleine Kiner als Opfer wählen und innerhalb weniger Minuten massenhaft ermorden können: Das alles ist krank.

Und dass dem Evangelikal-Extremisten Dan Patrick, der bedauerlicherweise Vize-Gouverneur von Texas ist, nichts anderes als die Reduzierung und bewaffnete Sicherung von Grundschul-Eingängen einfällt, um dem Problem Herr zu werden ist… der unerträgliche Zynismus, der diese kranken Verhältnisse seit Jahrzehnten ermöglicht und verschärft.

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