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„Watan raft, watan raft“

Mitte August werden die deutschen Medien pflichtgemäß zum Jahrestag der Taliban-Machtübernahme über Afghanistan berichten. Wahrscheinlich eher aus der Ferne als in der Nahaufnahme, in scharfen Leitartikeln zum uneingelösten Versprechen des Westens, seine Helfer nicht alleine zu lassen. Das alles passiert in dem Wissen, dass den Deutschen das Land schon immer egal war – mal abgesehen von den Tagen nach dem 11. September und den kurzen, dramatischen Ereignissen des vergangenen Jahres.

Zain Samir (ein Pseudonym?) hat sich die Mühe gemacht, für die LRB Afghanistan zu bereisen und den beiden entscheidenden Fragen nachzugehen: Was ist damals passiert und wie ist das Leben heute dort? Er spricht mit Zivilisten, Stammesfürsten, ehemaligen Soldaten, den Taliban, ehemals berufstätigen Frauen. Irgendwann sagt jemand „Watan raft, watan raft“ – „dieses Land ist verschwunden, dieses Land ist verschwunden.“

Und er fragt den Stammesfürsten, ob die Taliban dem Land Frieden geben könnten. Die Antwort:

„No chance. We need people who know how to use computers. We need engineers and doctors. I don’t want a group of mullahs who are ignorant in their own religion. Do you know why there are no schools even for boys in the village? Because they don’t want the children to be educated. They need them for two things: farming and fighting.“

Die einzige realistische Umsturz-Perspektive scheint von der unzufriedenen Opium-Branche auszugehen, falls die Taliban mit ihrem Anbau-Verbot wirklich ernstmachen sollten (wovon niemand ausgeht). Aber das nur am Rande – am besten Zeit für das gesamte Stück nehmen.

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