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Rolf Eden

Rolf Eden ist tot. Wir besuchten ihn damals im Sommer 2006 daheim in seinem Bungalow in der Starstraße in Dahlem. „Wir“, das war meine Journalistenschulen-Klasse, die gerade das Thema Boulevardjournalismus hatte und mit einer Bild-Redakteurin dort war. Eden war ein lässiger Chauvinist, der uns damals in seinem Garten neben dem Stand-Swimmingpool empfing. Seine damalige „Freundin“ brachte die Getränke aus der Küche. Sie war etwas jünger als wir Mitt- bis Endzwanziger, Klischee-Blond, dünn und zugleich unnatürlich üppig, denn Eden hatte ihre neuen Brüste bezahlt, wie er gönnerhaft erwähnte. Lebhaft in Erinnerung blieb uns, wie sie mit dem Tablett in der Hand einen ihrer Stöckelschuhe im Fußabstreifer verlor und heftig fluchte.

Später führte Eden – damals ja schon 76 Jahre alt – uns ins Wohnzimmer, das noch mehr 70er-Jahre-Atmosphäre als die Architektur des Bungalows ausstrahlte. Stolz demonstrierte er uns sein automatisches Klavier, welches auch eine zentrale Rolle in seinem etwas ranzigem Verführungsspiel einnahm, das er mit der Präzision eines Vampirs detailliert beschrieb.

Wer Rolf Eden wirklich war, ich habe keine Ahnung. Die Playboy-Kunstfigur Rolf Eden hat den anderen Rolf irgendwann einmal unbemerkt ersetzt, nehme ich an. Dabei war das Leben von Rolf Sigmund Sostheim, so ein echter Name, alles andere als eindimensional. 1933 war er mit seinen Eltern aus Berlin geflohen, hatte später in einer Spezialeinheit im israelischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft, um dann nach Berlin zurückzukehren und mit seinen Clubs das Westberliner Mainstream-Nachtleben bis zur Wende zu prägen.

Das alte Westberlin, man kann es hier ja immer noch finden. Aber jeden Tag ein bisschen weniger. Besonders an dem Tag, nachdem Rolf Eden starb.

 

 

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