Am Montag hat Kubas Regierung neue Energiesparmaßnahmen verkündet. Die Arbeitswoche für Staatsunternehmen wird verkürzt, ebenso die Präsenzstunden in Schulen und Unis. Ausländische Flieger können nicht mehr in Kuba auftanken, Hotels mit geringer Auslastung werden geschlossen und der öffentliche Nahverkehr ist so gut wie eingestellt.
Der Grund dafür ist, dass die USA Venezuela und inzwischen auch Mexiko davon abgebracht haben, Öl nach Kuba zu liefern. Die Vorräte reichen womöglich nur noch wenige Wochen oder gar Tage.
Was danach kommt? Im Wall Street Journal warnen Experten davor, dass sich Kuba noch über längere Zeit mit regelmäßigen Stromausfällen und entsprechenden humanitären Folgen dahinschleppen kann. Die US-Regierung sucht nach Insidern auf der Insel, die bis zum Jahresende das kommunistische Regime stürzen könnten.
Und eigentlich hatte Trump ja erklärt, dass Washington mit Kuba verhandelt. Allerdings, so berichtet es Drop Site, gibt es solche Verhandlungen nicht. Beziehungsweise, so der anonym aus der Regierung geäußerte Vorwurf: Außenminister Marco Rubio verhindert derartige Gespräche, um dann in einigen Wochen erklären zu können, dass die diplomatischen Bemühungen erfolglos waren. Idealerweise erteilt Trump dann seinen Segen für einen von den USA initiierten Regimewechsel.
Die Rubio-Vermutungen beruhen auf anonymen Quellen. Aber es gibt realitätsfernere Theorien: Wie schon im Eintrag zu Venezuela angemerkt, ist Rubio als Sohn kubanischer Einwanderer mit Lebensmittelpunkt Miami Teil der kubanischen Exil-Gemeinde dort. Und die wünscht sich nichts mehr, als a) den Kommunismus in Kuba fallen zu sehen und b) die alte Ordnung wieder herzustellen, vor allem die früheren Eigentumsverhältnisse. Kurz: Es winkt das ganz große Geschäft mit Kuba als amerikanischem Ferien-Protektorat, mit Casinos, Hotels und all dem, was man auch in Florida bekommt.
Für die kubanische Bevölkerung dürfte das eine Erfahrung werden, die die der DDR-Bürger nach der Wende um ein Tausendfaches an Disruption übertrifft, mit materiellen Entwicklungen vom Aufstieg bis zum sozialen Abstieg, vom Verlust der eigenen Wohnung bis zum kollektiven Verlust der bisherigen Identität. Der Lebensstandard dürfte sich für einen großen Teil der bis zu 70 Prozent extrem verarmten Bevölkerung materiell verbessern, gleichzeitig aber zum Beispiel mit dem Verlust des Gesundheits- und Sozialnetzes und entsprechender Ungleichheit verbunden sein. Das Niveau des armen US-Protektorats Puerto Rico (43-45 % der Bevölkerung und über 50 % der Kinder leben dort unter der Armutsgrenze) wird man erst nach mehreren Jahren erreichen und es auch nicht übertreffen. Das Geld verdienen andere. Wenn man Glück hat, bekommt man Demokratie. Immerhin.
Aber ich greife bereits vor, die Geschichte geht ja ihren eigenen Weg.