Eine Auswahl von Artikeln und Essays, die ich in den vergangenen Tagen mit Erkenntnisgewinn oder Genuss gelesen habe.

  • The War Within (Equator) Salar Abdoh schafft, was der klassischen Berichterstattung über die Proteste in Iran nicht gelang: ein besseres Verständnis für die komplexe Situation des Landes, einen Blick in das Leben vor Ort. Dabei beschreibt er nur, was er Anfang Januar erlebt und gesehen hat, mit wem er gesprochen hat und wie es alles zusammenfließt. Equator ist derzeit das vielleicht angesagteste Online-Magazin für literarischen Journalismus, und das völlig zu Recht.
  • How Will Lewis decimated the Washington Post (NY Mag) Ein Postmortem der Ära des britischen Geschäftsführers der Washington Post, der das Medienhaus modernisieren sollte, aber es noch tiefer ins Chaos führte. Wahrscheinlich eine Geschichte, wie sie gerade in vielen Medienhäusern stattfindet. Übrigens schildern alle befragten ehemaligen und aktuellen Mitarbeiter, dass Bezos einfach die Geduld verliert und es nicht um Trump-Zeitgeist geht.
  • The End of Mail in Denmark (The Dial) Dänemark hat die staatliche Postzustellung eingestellt. Anna Juul verbindet in dieser Miniatur ihre Erinnerungen mit der Geschichte der Dänischen Post, gleichzeitig ist es auch ein Text über die Digitalisierung des Lebens. „Either way, the old world isn’t coming back. Unless you go to Germany.“
  • Marco Rubio Is Rebooting the Neocons for the MAGA Era (Bloomberg) Die Berichterstattung über die Münchner Sicherheitskonferenz konzentrierte sich darauf, was US-Außenminister Marco Rubio gesagt hat – dieses Stück liefert Einblicke, wie er versucht, Trumps unkontrollierte „Ideen“ über die Rolle der USA in der Welt in eine halbwegs kohärente Doktrin zu verwandeln, die deutlich an das Weltbild der Neocons erinnert.
  • Der freundliche Herr Frei (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) Es ist für Journalisten schwer, Einblicke in die Mechanismen und Entscheidungsfindungen im Kanzleramt zu erhalten. Oliver Georgi versucht es und geht dem bekannten Verdacht nach, dass Kanzleramtschef Thorsten Frei nicht die richtigen Eigenschaften für die Aufgabe mitbringt.