Der Krieg in der Ukraine dauert nun schon vier Jahre. Viele von uns im Westen sind schon lange abgestumpft. Die Gleichgültigkeit, mit der wir diesen Winter und die Angriffe Russlands auf die Wärme- und Strom-Infrastruktur des Landes bei Minus 20 Grad wahrgenommen haben, spricht Bände.
Zugleich stumpft mich auch die Berichterstattung ab. Ich persönlich bin heute-journal-Zuschauer und es ist deprimierend, nach welchem identischen Schema die Beiträge dort alle aufgebaut sind. Anmoderation, in der Marietta die Heldenhaftigkeit der ukrainischen Bevölkerung lobt und darauf hinweist, dass ja Putin an allem schuld ist. Dann Bilder von einem zerbombten Gebäude in einer ukrainischen Stadt, ein, zwei Augenzeugenaussagen, Schnitt Selenskyj-Videobotschaft, Schnitt nach Moskau und implizite aus dem Off über den „russischen Aggressor“. So bildet man weder etwas ab, das wie eine objektive Darstellung der Realität erscheint, noch erzeugt man Empathie.
Es geht auch anders. In der BBC kamen diese Woche russische Soldaten zu Wort, die davon erzählten, wie abgefuckt das alles ist, wie diejenigen, die sich den „Fleischstürmen“ (sinnlose Frontstürme mit hohen Verlusten) widersetzen, einfach von ihren Offizieren hingerichtet werden. Das ist mir genauso in Erinnerung geblieben wie dieses Stück über die Rekrutierung von Soldaten in der Ukraine, die de facto oft in Entführungen an die Front besteht. Dort heißt es am Ende:
„Why is the entire space of war buzzing with imposed silence? This war has created the illusion that acknowledging one kind of experience diminishes another – as if the very freedom to choose devalues the choice of joining the resistance; as if acknowledging and opposing internal violence in a society defending itself will always mean “working for the enemy”.Silence not only fails to support Ukrainian society. It normalises and legitimises an abnormal, criminal situation. It forces people to accept that violence is natural, is to be expected, is part and parcel of society. The cry for help receives no response. And that is also a response.“